Es könnte alles so einfach sein …

Egal was du zu sagen hast, ein Blog verleiht dir eine Stimme im Internet und kulando hilft dir dabei diese einfach und von überall zu veröffentlichen. Wie nett von denen. Meine Stimme im Internet ist aber leider nur meine Schreibe im Internet. Naja, für so Mädchen ist einfach auch relativ, einiges hier ist mir immer noch schleierhaft. Wo, zum Beispiel, ist mein Blogscout-Logo hin? Kann man an diesen Themes wirklich kaum noch etwas verstellen?
Eigentlich hatte ich aber anderes im Sinn, als ich mich eben hier eingeloggt habe. Nämlich den Host von Julies Musikparadies. Und was dahinter steckt. Und die Nachvollziehbarkeit des Ganzen. Und virale Marketingkampagnen. Und daß die Welt vielleicht doch nicht nur schlecht ist. Und überhaupt.

Julies Musikparadies ist eine feine Sache, und so naiv ich auch manchmal sein mag, mir ist schon bewußt, daß hinter solch riesigen Plattformen auch Geld stehen und zumindest eine kostendeckende Politik gefahren werden muß. Daß verhältnismäßig wenig Werbung auf den Profilseiten auftaucht, diese auch nur zielgruppengerecht, hat mich ein wenig stutzig gemacht, noch mehr sogar die Info, daß Subscriber, also Abonnenten gar keine Werbung mehr empfangen (zum fairen Preis von 2,50€ monatlich, außerdem werden bei drohender Serverüberlastung zuerst die normalen User (Benutzer) rausgekickt, man erhält also einen VIP-Status). Wenn man last.fm anklickt, erscheint unten im Browser manchmal ganz kurz die Angabe “warten auf indieclick.campaign …” - da dachte ich mir also vorhin: Hinterher, JP! Hin und wieder erscheint in der Werbeleiste auch ein Hinweis auf “Indieclick.com, es fehlt dort allerdings jeglicher Hinweis darauf, daß eben diese Agentur hinter last.fm und anderen Plattformen steckt. Erklärtes Ziel ist es, mittels besagter Plattformen gezielt, und im Verhältnis zum sonst zu betreibenden Aufwand, spottbillig und höchst einfach eine ganz bestimmte Zielgruppe anzusprechen, auf der Indieclick-Homepage werden sie als die tonangebenden Mediatoren bezeichnet. Ob das tatsächlich auf jeden einzelnen Benutzer zutrifft, mag bezweifelt werden, aber die ständige Verlinkung von Songtiteln, Alben, Künstlern, Benutzern, deren Freunden, (wöchentlichen) Nachbarn, die aus den mitge”scrobbelten” (ein Plug-In überträgt Informationen vom Musikprogramm an last.fm) Musiktiteln generiert werden, sowie den Journals ist frappierend und wäre so vor wenigen Jahren technisch schier unmöglich gewesen.
Wenn es gelingt, in solch ein System eine neue Band zu schleusen, sie über die Empfehlungsfunktion einzelnen bekannt zu machen, dann ist der Aufwand für weltweite PR sehr gering, da das Ganze viral, also quasi von selbst ansteckend funktioniert. “Wenn meine Freunde das hören, und mir kostenlose Streams angeboten werden, dann höre ich da auch mal rein, aha, läuft zwar noch nicht im Radio, aber wenn die Platte erscheint, oder es im Onlineshop meines Vertrauens erhältlich ist, gebe ich dem doch eher eine Chance, als etwas, das ich gar nicht kenne. So entsteht auch schnell Hype à la Arctic Monkeys. Und das ist noch nicht einmal bösebösegruselig, denn wir alle (mein Umfeld an Freunden und Bekannten) stecken viel Zeit und Geld und Gefühl in Musik, der “Soundtrack unseres Lebens” ist für uns durchaus real, warum soll man sich also nicht auch durch solche Mechanismen mit neuer Musik bekannt machen?
Böse könnte das Ganze erst dann werden, wenn zum Beispiel eine Software nicht nur den mittels ID3-Tag kodierten Künstler-+-Titel-des-Musikstücks erfaßt, sondern vielleicht auch noch die Herkunft des Materials (legal oder illegal?), oder installierte Spyware (ist ja auch sonst in erschreckend vielen harmlos wirkenden Programmen versteckt) Bereiche des Rechners ausspäht, die privat sind und bleiben sollten.
Da wäre man dann schnell beim Thema der Nachvollziehbarkeit. Und bei Blogscout. Und der Kartenfunktion. Solange man das Ganze nicht allzusehr individualisieren kann, gibt es nichts dagegen einzuwenden, aber über die Refer(r)erfunktion sehen zu können, ob jemand wirklich nur seine Mittagspause nutzt, um zu surfen, ist schon ein wenig Big Brother-mäßig. Das ist nur solange harmlos und lustig, wie die Informationen nicht gegen einen verwendet werden, und wie schnell das geht, mußte ich selbst in den letzten Wochen erfahren:
Bei einer P2P-Community habe ich jemanden dadurch gegen mich aufgebracht, daß ich meine Regeln (wer nichts tauscht, wenigstens potentiell irgendetwas freigibt, darf auch von mir nichts erwarten) verteidigt habe. Wenn man dann, wie ich bisher, auf dieser und anderen Plattformen den gleichen, vielleicht markanten, Benutzernamen verwendet, kann man Benutzer eben auch in ganz anderen Kontexten wiederfinden. Von P2P zu Blog zu Musikplattform zu Kommentaren in von mir besuchten anderen Blogs usw. Und selbst wenn diese virtuelle Verfolgung anderer nur halb so gefährlich scheint, wie reale Stalker (gegen die es jetzt in Deutschland zwar ein Gesetz, für die aber bisher keine deutsche Bezeichnung gibt), kann auch sie nerven und beunruhigen.
Letztlich ist die Welt aber doch nicht so schlecht, wie Björn Grau und Miss Sophie in den oben zitierten Posts andeuten (auch die beiden haben eigentlich eine mutige und positive Lebenshaltung, wie man ihren Blogs auch entnehmen kann), wie die deutsche Hochschulpolitik manchmal suggeriert, wie die technischen Möglichkeiten es durchaus zuließen, wie einige Freaks es bisweilen durch Spamming versuchen, wie die aktuelle Klimadebatte vermuten ließe, wie weltweites Elend und das Große und Ganze einem weismachen könnten. Im Kleinen und Konkreten ist viel Glück zu finden, und gar nicht so selten läßt sich dieses sogar größer und ganzer machen, mit anderen teilen.

März 23, 2007 | In Soso | | TrackBack-URL

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